Erkennen

Was „erkennen“? Einen Baum, eine Blume, eine Landschaft? Nein.

Ein Verstehen sollte nicht nur am Abgebildeten, dem Gegenständlichen orientiert sein, sondern auf das zielen, was Kunst ausmacht. Unsere Aufmerksamkeit sollte den ganzheitlichen künstlerischen Prozess nachvollziehen. Schauen wir auf ein Kunstwerk, dann ist das gesamte Gefüge der Punkte, Linien, Flächen und Farben ein komplexes Gebilde und nicht etwa nur das isolierte, einzelne Bildzeichen, das wir identifizieren und dem wir eine Bedeutung zuweisen können.

Es sollte eine Suche beginnen, in das Gegenüber hinein schauen und eventuell zu keinem Ende kommen. Der Begriff allein, sagt Kant, ist leer. Der Begriff Baum z.B. ist der Anschauung entgegengesetzt, denn er ist eine allgemeine Vorstellung oder eine Vorstellung dessen, was mehreren Objekten gemein ist. Es bedarf der Anschauung, um ihn mit Leben zu füllen. Die Anschauung oder Sichtweise des Dings bekomme ich über meine Sinne. Die Sinne wiederum erzeugen Empfindungen, die der Sache Bedeutsamkeit verleihen. Mit jeder Nuance, die der zeichnende Stift erfasst, öffnet sich das Ding ein Stück weiter, denn jede Nuance ermöglicht prinzipiell eine weitere Ausdifferenzierung.

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Kunst betrachten?

„Ich denke Kunst lässt sich lehren, und sie lässt sich erkennen, aber nicht so, wie man das Küssen lernt, nämlich zusammen, sondern so wie man das Fahrradfahren lernt. Es gibt manche, die wollen Kunst auf die Weise des Küssens lehren oder lernen, aber das geht nicht. Man kann das nur beibringen wie das Fahrrad fahren, das heißt, man kann es vormachen, man kann das Fahrrad hinstellen, man kann jemanden draufhelfen, man kann jemanden schieben, aber die Balance halten, das muss der dann schon selber.“ Dr. Walter Grasskamp

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